NEUE ANTIBIOTIKA ZUM INHALIEREN

Hintergrund: Die Lungenerkrankung bei Mukoviszidose wird durch die Infektion mit Pseudomonasbakterien ungünstig beeinflusst. Um die Pseudomonasinfektion einzudämmen, gehören Antibiotika zum Inhalieren seit mehr als 20 Jahren zur Standardtherapie. Neuere Entwicklungen beziehen sich auf alternative Substanzen oder auf eine günstigere »Verpackung« bekannter Antibiotika. Damit soll die Wirksamkeit gegen Bakterien verbessert werden.

Amikacin-Präparat mit Liposomen

Die Substanz: Amikacin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Aminoglykoside, ebenso wie das am häufigsten inhalierte Antibiotikum Tobramycin. Das neue Präparat SLIT Amikacin enthält das Medikament in Liposomen verpackt. Die extrem kleinen Teilchen können die Biofilme von Pseudomonasbakterien durchdringen. So gelangt das Antibiotikum auch in Bereiche, die normalerweise nicht zugänglich sind. Die Studie: Aus der Mukoviszidose-Ambu- in Belgrad, Jugoslawien, inhalierten 13 CF-Patienten mit chronischer Pseudomonasinfektion über insgesamt 14 Tage einmal täglich 500 mg SLIT Amikacin. Um diese große Menge zu vernebeln, mussten nacheinander zweimal 5 ml Flüssigkeit inhaliert werden. Nach Beendigung der zweiwöchigen Inhalationsperiode wurden die Patienten über vier Wochen nachbeobachtet. Ergebnisse: Sieben Tage nach Beginn der Behandlung war die Einsekundenkapazität FEV1 um 11% bezogen auf den Sollwert angestiegen. Auch vier Wochen nach Absetzen der Behandlung war die FEV1 noch 8% höher als zu Beginn. In Sputum fand man hohe Konzentrationen des Antibiotikums Amikacin (300 bis 8000 g pro Milliliter Sputum). Die Blutspiegel des Antibiotikums waren dagegen sehr niedrig, so dass kaum eine Belastung des Gesamtorganismus nachzuweisen war.
Schlussfolgerung: In dieser Pilotstudie verbesserte die einmal tägliche Inhalation von SLIT Amikacin die Lungenfunktion auch über das Therapieende hinaus. Eine größere Studie ist geplant, um die Wirksamkeit im Vergleich zu Plazebo (einem Scheinmedikament) zu überprüfen.

Aztreonam-Lysinat zum Inhalieren

Die Substanz: Aztreonam gehört zu den pseudomonaswirksamen Antibiotika. Gebunden an das Salz Lysinat wurde es speziell für die Inhalation entwickelt. Vernebelt wird es über den Membranvernebler Pari eFlow®. Die Studie: Nach günstigen Ergebnissen an kleineren Patientengruppen wurde jetzt eine Phase-III-Studie vorgestellt. Ärzte aus 56 nordamerikanischen CF-Ambulanzen nahmen teil und wählten insgesamt 246 Patienten für die Studie aus. Sie mussten eine chronische Pseudomonasinfektion aufweisen und in den letzten 12 Monaten minde stens dreimal 4 Wochen lang mit dem inhalativen Antibiotikum Tobramycin behandelt worden sein. In der Studie wurden drei Behandlungsarten miteinander verglichen: dreimal täglich 75 mg Aztreonam-Lysinat, zweimal täglich 75 mg Aztreonam-Lysinat oder das Scheinmedikament Placebo. Als primäres Erfolgskriterium wählte man die Verlängerung der Zeit bis zur nächsten erforderlichen intravenösen Antibiotikatherapie gegen Pseudomonas aeruginosa. Dokumentiert wurden auch Lungenfunktionswerte und Beschwerden der Patienten. Ergebnisse: Die Studie ist noch nicht beendet. Vollständige Daten liegen erst von rund der Hälfte der Patienten vor. Den primären Endpunkt i.v.-Therapie erreichten bisher 22 Patienten. Unter Aztreonam war der Zeitraum bis zur nächsten i.v.-Therapie signifikant länger. Auch die Lungenfunktion besserte sich unter dem inhalativen Antibiotikum. Außerdem hatten die Patienten unter Aztreonam weniger Beschwerden als unter Plazebo. Die Verträglichkeit der neuen Substanz war zufrieden stellend; die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse unterschied sich nicht zwischen den Behandlungsgruppen.
Schlussfolgerung: Wenn die endgültigen Studienergebnisse ähnlich günstig ausfallen, könnte sich Aztreonam-Lysinat zu einer Alternative für die pseudomonaswirksame Antibiotikainhalation entwickeln.


Quelle: CF-Focus Ausgabe 3/2007

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